Joggen - Schicksalskilometer eines Informatikers

Nicht Alles was glänzt ist Gold. Diese Erfahrung durfte ich heute zum x-ten Mal am eigenen Leibe spüren.

Da Anni und ich am 18. Mai in die Vereinigten Staaten fliegen und 3 Wochen später die Heimreise gesund antreten möchten, wurde ich von dem Gedanken geplagt etwas für meine Kondition tun zu müssen. Von Hollywood Actionfilmen beeinflusst, muss man an jeder Straßenecke um sein leibliches Wohl bangen, also ist etwas Kondition für das eventuelle Wegrennen nicht verkehrt. Angesichts der Tatsache dass mir nur noch knapp 3 Wochen für mein hartes Training zur Verfügung stehen, habe ich mich dazu entschlossen nicht der schnellste Läufer zu werden, sondern einfach nur schneller als meine Mitmenschen ;)

Von Motivation getränkt machte ich mich in meinem sportlichen Outfit, zusammen mit Annis Onkel Waldemar Koop, auf die Socken um zu Joggen. Da ich in den vergangenen zwei Wochen bereits zwei Mal joggen war, wusste ich was heute auf mich zukommt: Noch mehr Joggen. Grenzen sind dazu da, um sie zu brechen, also entschied ich mich an diesem Tage nicht zwei sondern drei Runden um den See zu laufen. Als wir bereits die erste Hälfte der ersten Runde geschafft hatten, man war ich fertig, kam Annis Onkel die zündende Idee einen anderen Weg zu laufen. Auf unserem Weg um den See bekam ich außer Wasser, ein paar Senioren und Mitleidenden (Jogger) nichts zu sehen, daher packte mich die Neugier und schneller als ich je sein werde willigte ich ein.

100 Meter weiter begann jedoch das Elend. Kennt Ihr das Gefühl, wenn Ihr am Strand steht und nichts außer Wasser seht? Stellt euch statt dem Wasser einfach nur Acker vor und denkt euch eine Straße, die mitten hindurch führt, und so weit Ihr sehen könnt KEINE Kurve schlägt. Nicht das ich derartige Strecken nicht leiden kann, diese führt jedoch genau in die entgegengesetzt Richtung, also in die Richtung, die man nicht als Ziel bezeichnen kann. Ahhh!

Als Informatiker ist man einiges gewohnt. Zu jeder Zeit frischen Kaffee, ein freundliches Umfeld und viel zu wenig Zeit für die zu verrichtende Arbeit. Letzteres sollte mein Hoffnungsträger für die bevorstehende Tortur sein. Eile treibt einen voran, daher ging ich davon aus, dass dieses Elend mit einer ordentlichen Portion Disziplin schnell bewältigt werden konnte. Drei Kilometer weiter war von diesem Gefühl jedoch nichts mehr zu spüren. Aber wie Gefühle eben sind kommen und gehen diese. Und so auch in diesem Fall: Das Gefühl der Disziplin ging, und das der Erschöpfung und Erfolglosigkeit kam. Ich verstehe diese ganze Sache einfach nicht. Am Anfang hatte ich Probleme mit dem Joggen weil mein Herz zu hohen Puls produzierte. Nun gehts nicht weiter, weil meine Beine streiken. Denkt jetzt bloß nicht, dass ich ein Weichei bin und derartige Belastung nicht vertrage. Ich bin keines Wegs einer dieser gewöhnlichen Informatiker, die lange Haare tragen, ihre Arbeit im Keller verrichten und dessen Tür einmal am Tage geöffnet wird um eine Pizza durch zu reichen. Ich bin ganz anders! Zum Einen trage ich kurze Haare und zum anderen hat mein Keller Fenster, die sich in beide Richtungen öffnen lassen.

Während des Joggens versuchte mich Annis Onkel mit weisen Ratschlägen zu unterstützen. Dabei kamen dann Tipps wie “Versuche gleichmäßig zu atmen” oder “Lass uns in einer Geschwindigkeit joggen, die für dich angenehm ist” zustande. Wie soll man bitteschön gleichmäßig atmen, wenn man dauernd damit beschäftigt ist nicht über seine eigenen Beine zu stolpern oder wie ein Looser zu laufen? Und als ich mir seinen zweiten Ratschlag zu Herzen genommen hatte und mich nur noch mit 0 km/h fortbewegte, wurde mir Eines klar: Ich habe die Schnauze vom Weichei-Gelaufe satt! Während des letzten Kilometers fühlte ich meine Beine nur noch eingeschränkt. Dementsprechend verformte sich mein Körper während des Joggens enorm, sodass man mühelos einen Tisch auf meinem Hintern hätte decken können.

Diese und noch weitere Erlebnisse haben mir eines ganz deutlich aufgezeigt: Wenn ich mein Training nicht mindestens verdopple, wird die USA Reise zu einer echten Herausforderung.
In diesem Sinne gesellt sich zum Jogging-Donnerstag nun auch der Dienstag hinzu :)

2 Antworten zu “Joggen - Schicksalskilometer eines Informatikers”

  1. Neeeeeiiiiiin, du bist kein Weichei! Aber ich kann mit dir mitfühlen - bin nämlich auch mal gejoggt. Die Betonung liegt auf “mal”. Und dabei habe ich nun wirklich keine langen Haare….

  2. Daniel sagte am

    Sehr gut geschrieben. Ich habe richtiggehend mit gelitten. Boah ey, wie hart :-)

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